Optimale Individualisierung, von der Anforderung bis zur Auslieferung – Fahrradvarianten als Beispiele für Prozessvarianten

Fahrrad aus dem Baumarkt oder Maßanfertigung? Wir zeigen, wie Variantenkonfiguration, CPQ und digitale Assistenten Geschäftsprozesse effizient vernetzen – von Vertrieb bis Service.

Vielfalt klingt gut – wird aber schnell unübersichtlich. Und genau hier beginnen die Herausforderungen der Variantenkonfiguration.

Im industriellen Umfeld geht es nicht um belegte Teigfladen, sondern ganz allgemein um variantenreiche Komponenten, Module, Maschinen oder Produktionsanlagen. Das Grundprinzip bleibt jedoch das gleiche: Kunden wollen Beratung und Auswahl, Unternehmen brauchen Methodik und Struktur.

Wie Variantenmanagement genau dabei hilft, und warum sie heute ein echter Wettbewerbsfaktor ist, erklären wir in diesem Artikel.

adesso mis Variantenmanagement

Dies gilt für Fahrrad-Varianten, und so auch in der industriellen Herstellung. Produzierende Unternehmen müssen Standards, Varianten, Optionen, kleinere Modifikationen und weitreichende Individualisierungen schnell und effektiv konzeptionieren, kalkulieren, anbieten und verkaufen. Als zentrales Element an der Kundenschnittstelle dient CPQ. Nach Auftragseingang muss die Kundenvariante korrekt, vollständig und kostenoptimal herstellt und termingerecht geliefert werden.

 

Was leistet CPQ, und wo liegen die Grenzen

CPQ (Configure-Price-Quote) ist ein bewährtes Werkzeug im Vertrieb variantenreicher Produkte. CPQ erleichtert die regelbasierte Variantenausprägung. Nach Auswahl des Basisprodukts erfolgt die interaktive Konfiguration. CPQ unterstützt die Kalkulation von Preisen und Lieferzeiten und schließt mit der Angebotserstellung ab.

CPQ-Suiten für Vertrieb & Marketing sind Standardsoftware. Es gibt Basis-Pakete und Zusatz-Funktionen. Dies ermöglicht eine schnelle und einfache Einführung. In der produktiven Anwendung wird schnell deutlich: Auch CPQ-Suiten haben Grenzen.

  • Guided Selling nicht optimal, richtige Einstiegspunkte schwer zu finden
  • Gute Abbildung von ATO und CTO, aber Schwierigkeiten mit CTO+ oder ETO
  • Komplexe und meistens unvollständige Integration mit anderen IT-Systemen
  • Keine Funktionalität für Folgeprozesse (Engineering, Logistik, Produktion etc.)

State-of-the-Art Variantenmanagement muss den End-to-End Prozess – vom Kunden zum Kunden – durchgängig abbilden, alle Komplexitätsstufen beherrschen, alle Kerngeschäftsbereiche verbinden und alle beteiligten IT-Systeme integrieren.

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CPQ allein leistet dies nicht. Ein ganzheitlicher Ansatz erfordert eine vollständige und durchgängige Konfigurationslogik – d.h. vertrieblich, funktional, technisch, herstellbar und kalkulierbar – als Grundlage für die Automatisierung der Wertschöpfungskette. Die Variantenkonfiguration muss flexibel in alle führenden IT-Systeme eingebettet sein. Wesentliche Ziele sind bestmögliche Kundenorientierung, optimale Individualisierung und profitable Herstellung.

 

Intelligente Begleiter: Digitale Assistenten für die beste Customer Journey

Während CPQ in den Kerndisziplinen glänzen kann, stoßen CPQ-Suiten bei komplexen, variantenreichen und erklärungsbedürftigen Produkten an Prinzip-bedingte Grenzen. Digitale Assistenten stellen CPQ ein intelligentes Guided Selling voran. Kunden kommen mit Problemstellungen und Anforderungen, kennen aber das Portfolio oft nicht gut. Guided Selling hilft, Problemstellungen besser zu verstehen, berät als digitaler Fachexperte, schlägt Lösungsalternativen vor und leitet zur Konfiguration.

Was Digitale Assistenten heute leisten können: Fachliche Aufgabenstellungen erfassen und eindeutig spezifizieren, komplexe Konfigurationen und Lösungen verständlich machen, Anwender sicher und intuitiv führen. Statt Kunden, Partner oder Vertrieb mit einer Vielzahl technischer Optionen zu überfordern, navigieren intelligente Assistenten durch den Lösungsraum – entlang konkreter Anforderungen und mit Blick auf realisierbare Kombinationen. Dabei greifen sie auf dieselbe Regellogik zurück wie der Konfigurator und sorgen für Konsistenz, Vollständigkeit und Transparenz.

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Digitale Assistenten bringen klare Mehrwerte beispielsweise in folgenden Szenarien:

  1. Im Online-Marketing unterstützen Assistenten die Anforderungsaufnahme, die Navigation durch das gesamte Produktportfolio und die Lösungsfindung
  2. Im Vertrieb generieren Assistenten initial passende Produktkonfigurationen, basierend auf Anwendungsfällen, Kundensegment oder Marktregion etc.
  3. Im Engineering können Varianten automatisch geprüft werden – nicht nur auf technische Machbarkeit, sondern auch auf relevante Vorgaben oder Normen
  4. Im Service helfen Assistenten, benötigte Ersatzteile auf Basis der konkreten Produktvarianten schnell zu identifizieren, ohne mühsame Recherchen

Kunden erhalten schneller passende Angebote, Mitarbeitende werden entlastet, und Unternehmen profitieren von stabilen, durchgängigen Prozessen ohne Medienbrüche.

 

Fazit: Variantenvielfalt meistern – mit System und Intelligenz

Das Fahrrad Beispiel zeigt: Individualisierung ist gefragt und bringt echte Mehrwerte, wenn sie wirtschaftlich und effizient abgebildet wird. CPQ bildet den Einstieg, digitale Assistenten erweitern die Funktionalität und Usability um intuitive Nutzerführung und Entscheidungshilfen. Smarte Variantenkonfiguration verknüpft Marketing, Vertrieb, Engineering, Fertigung und Service zu einem durchgängigen Prozess. Komplexität ist beherrschbar. Wer auf modulare Produktarchitekturen und Wissensmodelle setzt, schafft die Basis für reibungslose Abläufe, hohe Qualität und zufriedene Kunden – heute und in Zukunft.

Wie geht es weiter?

In Teil 4 unserer Blogreihe betrachten wir neue Methoden und Werkzeuge für smartes Variantenmanagement über alle Komplexitätsstufen. Wir klären die Unterschiede zwischen Tool-basierter und Code-basierter Modellierung und zeigen Potentiale auf.

Andreas ist Geschäftsführer der adesso manufacturing industry solutions GmbH. Er verfügt über jahrelange Erfahrung in der Softwareentwicklung und Systemintegration im Maschinen- und Anlagenbau. Zu seinen Fachkompetenzen zählen vor allem das Variantenmanagement und die Produkt-, System- und Lösungskonfiguration

Andreas Liesche Geschäftsführer der amis

Andreas Liesche

E-Mail: andreas.liesche@adesso-mis.de